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28 July 2010 @ 11:57 pm
LotR: "Zufall" (Haldir/Faramir) (2/3)  
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Titel: "Zufall"
Fandom: Lord of the Rings
Pairing: Haldir/Faramir
Genre: PWP-ish
Prompt: Sommerchallenge-Päkchen 2 - "Regenwetter (mit oder ohne Schirm)" von 120_minuten .
Rating: NC-17
Word Count: 3.369 Wörter.
Zusammenfassung: Faramir trifft überraschend auf Haldir. Beide sind bis auf die Haut durchnässt und dagegen muss man etwas tun;D
A/N: Diese Story ist ein Oneshot zum Pairing Faramir/Haldir. Zugleich ist es der zweite Teil von drei Geschichten, die zwar unabhängig von einander sind, aber die ich, inspiriert vom Prompt "Unfall/Zufall" bzw. "Regenwetter (mit oder ohne Schirm)" der Community 120_minuten  , geschrieben habe. Sie werden vom Oberthema "Unfall/Zufall/Schicksal" zusammengehalten, unter dem ich auch die anderen beiden Stories poste. Hier ist der erste Part Unfall, den man jedoch nicht gelesen haben muss, um diese Story zu verstehen. Danke kari77  für den wunderbaren Storybanner.
Disclaimer: Lord of the Rings ist das Eigentum von J. R. R. Tolkien und seinen Erben sowie New Line Production.
Beta: zamboni12 hat mir sehr dabei geholfen, die Story präsentabel zu machen. Nochmal vielen Dank dafür. *hugs*

Unfall/Zufall/Schicksal

II. Zufall

Es regnete in Strömen, als Faramir sich durch den Wald kämpfte. Die Bäume boten ihm nur wenig Schutz vor dem Sturm, so dass er bis auf die Haut durchnässt war und der Wind an seiner Kleidung zerrte. Regentropfen liefen ihm über Stirn und Wangen. Frierend zog er die Kapuze tiefer ins Gesicht.

Er hasste es, in solch einem Unwetter unterwegs zu sein, besonders, wenn er die Gegend, in der er sich befand, nicht gut kannte. Trotz allem entsann er sich dunkel an eine Höhle, die er das letzte Mal entdeckt und in der er übernachtet hatte, als er bei weitaus besserem Wetter durch diesen Wald gewandert war.

Ein Kribbeln in der Nase und ein anschließend kräftiger Nieser unterbrachen seine Gedanken und blinzelnd sah er sich um. Wenn er sich recht erinnerte, musste die Höhle hier ganz in der Nähe sein. Zielstrebig ging er weiter, vorsichtig seine Schritte über den rutschigen Boden lenkend. Seine Augen suchten die Felsen vor ihm ab, als er die unauffällige Steinformation erkannte, die den geschützten Eintritt zur Höhle darstellte. Erleichtert folgte er einem kleinen Pfad, der sich ein wenig weitete und einem Höhleneingang Platz machte, der vom Wald aus nicht zu erkennen war. Es war der perfekte Ort, um ungestört sein Lager aufzuschlagen und sich vor eventuellen Angreifern zu verbergen.

Faramir seufzte und schlug die Kapuze zurück. Sein Haar klebte wirr an seiner Stirn und erschöpft fuhr er sich über die Augen, als er ein unangenehmes Kribbeln im Nacken verspürte. Sofort war er hellwach. Irgendetwas stimmte nicht. Mit den erfahrenen Augen und Ohren eines Waldläufers verharrte er am Eingang und griff zu seinem Bogen. Den Pfeil auf der Sehne, lauschte er und hörte das leise Knacken von Holz, das in einem Feuer verbrannte. Der Geruch von Rauch stieg ihm erst jetzt in die Nase, aber von seiner Position aus konnte er keinen Lichtschein wahrnehmen.
Angespannt trat er in die Höhle, darauf gefasst, sich jede Minute verteidigen zu müssen. Es war offensichtlich, dass er nicht der erste war, der in dieser Nacht die Idee hatte, seinen Lagerplatz hier aufzuschlagen. Doch ob sich Freund oder Feind im undurchdringlichen Dunkel der Steinwände befand, konnte er nicht erkennen. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen, und näherte sich lautlos der Biegung, die weiter ins Höhleninnere führte, als eine Stimme hinter ihm ertönte.

„Stehenbleiben!“

Faramir gehorchte, als er zeitgleich eine spitze Klinge im Rücken spürte. Offenbar war er nicht so leise gewesen, wie er gedacht hatte.

„Wer seid ihr und was wollt ihr hier?“, fragte die Stimme weiter.

Faramir schluckte.

„Mein Name ist Faramir“, sagte er viel zu laut für seine eigenen Ohren, während er den gespannten Bogen immer noch in der Hand hielt. „Ich komme aus Gondor und bin in den Sturm geraten. Deshalb habe ich einen Platz gesucht, um mein Nachtlager aufzuschlagen.“

Er fühlte wie die Klinge runtergenommen wurde und drehte sich langsam um. Dabei ließ er selbst den Bogen sinken, den er die ganze Zeit in Position gehalten hatte.
Die Überraschung entdeckt und hinterrücks abgefangen worden zu sein, war nichts gegen die Verblüffung, die Faramir beim Anblick seines Gegenübers empfand, denn er stand keinem Menschen, sondern einem Elb gegenüber.

Der Elb war hochgewachsen und sein blondes Haar umkränzte seine Schultern in langen glatten Strähnen. Viel auffälliger war jedoch, dass er halbnackt war. Faramirs Augen glitten den baren Oberkörper entlang, den geschmeidige Muskeln formten und an der Hüfte in graugrünen Hosen verschwanden. Offensichtlich war auch der Elb ins Gewitter geraten und hatte seine Sachen zum Trocken ans Feuer gelegt. Damit, dass er einen Besucher haben würde, schien er nicht gerechnet zu haben, was seinen Aufzug erklärte.

Faramir brauchte einen Moment, bevor er sich fasste. Obwohl es schummrig in der Höhle und er selbst völlig durchnässt war, konnte er den Gedanken nicht verdrängen, wie atemberaubend der Elb aussah. Seine Haut schimmerte perlmutfarben und er war das Ebenbild eines Kriegers wie es nur die besten Bildhauer Gondors in Stein zu meißeln vermochten.

Aus dem Nichts entflammte plötzliche Lust in ihm, traf ihn völlig unvorbereitet und krampfte sich in seinem Magen zusammen. Nervös holte er Luft und hielt sie für den Bruchteil einer Sekunde an, dann hatte er sich wieder im Griff.

„Mae govannen“* , sagte er in Sindarin, in der Hoffnung eines Friedensangebots.

Der Elb senkte kaum merklich den Kopf in einem Nicken. Falls er verwundert war, in seiner Muttersprache begrüßt worden zu sein, ließ er es sich nicht anmerken.

„Mein Name ist Haldir“, entgegnete er und lief an Faramir vorbei zur nächsten Wegbiegung. Der junge Waldläufer folgte ihm und sie umrundeten den Felsen, der das letzte Hindernis war, bevor die Höhle sich in einem großen Raum öffnete. Ein Stück vom Eingang entfernt hatte Haldir ein Feuer entfacht, das die grauen Steinwände in schwach flackerndes Rot tauchte.

Der Elb steckte den Dolch in den Gürtel, den er trug und ließ sich auf einem flachen Felsvorsprung nieder. Faramir trat zum Feuer und blieb einen Moment unschlüssig stehen. Er sah Haldir an, der mit steinernem Gesichtsausdruck zurückschaute. Faramir zuckte unmerklich mit den Schultern und begann die Verschlüsse des Umhangs zu öffnen, aus dem Wasser tropfte. Er stand bereits in einer kleinen Lache und merkte erst jetzt, da er sich am wärmenden Feuer befand, wie durchgefroren er wirklich war.

Mit steifen Fingern entledigte er sich des Mantels und legte ihn auf einen breiten Stein in der Nähe des Feuers, als er Haldirs Kleidung bemerkte. Sie schien fast trocken und nur vereinzelt waren noch dunklere, nasse Flecken im Stoff erkennbar. Die Kleidung war schlicht und aus einem grüngrau, dass seinen Träger perfekt mit der Natur verschmelzen ließ. Es war nicht das erste Mal, dass Faramir solche Kleider sah. Die Weber Gondors hatten ihr möglichstes getan, die Kleidung der Waldläufer so zu gestalten, dass ihre Träger in den Wäldern, in denen sie sich bewegten, unsichtbar wurden, aber mit der Kunst der Elben konnte man das Tuch, das Faramir am Leib trug nicht vergleichen. Für einen Moment durch diese Gedanken abgelenkt, verharrte er, bevor er sich aus seiner Starre löste und mit sich debattierte, ob er sich vor diesem Fremden ausziehen sollte.

Haldir schien seine Gedanken gelesen zu haben, denn er sagte ruhig in die Stille: „Die nasse Kleidung trocknet schnell in der Nähe des Feuers.“

Faramir nickte und sah dies als Aufforderung, dass es seinem Gefährten nichts ausmachen würde, wenn er seine Kleider ebenfalls zum Trocken aufhing. Mit routinierten Handgriffen entledigte er sich seiner Oberbekleidung, behielt jedoch wie Haldir seine Hosen an. Sie klebten an seinen Beinen, weil sie immer noch feucht waren, aber allein die Tatsache, dass er mit nacktem Oberkörper einem Fremden und noch dazu einem Elb gegenüber saß, war ihm unangenehm.
Natürlich war es lächerlich. Als Waldläufer war er es gewohnt, nach Regenfällen und Stürmen seine Männer nackt zu sehen, aber hier, allein mit diesem Elb, dessen Schönheit eine Eigenschaft seiner Rasse darstellte, empfand er es als ungewohnt. Davon abgesehen versuchte er stetig, das nagende Gefühl von Erregung, das sich beim Anblick Haldirs in ihm breit machte, zu ignorieren.
Um sich abzulenken, griff er in sein Lastpack und holte zwei Äpfel daraus hervor. Er hatte nicht damit gerechnet, in einen Sturm zu geraten und ursprünglich geplant, einen Hasen oder Vogel zum Abendessen zu schießen. Doch diese Pläne hatten sich schnell in Luft aufgelöst, so dass die beiden Äpfel das einzige waren, was er an Essen mit sich führte.

Mit einem Lächeln bot er Haldir den einen Apfel an, der ihn mit einem dankbaren Nicken entgegen nahm. Offensichtlich war der Elb eher ein stiller Zeitgenosse, denn viel hatte er bisher nicht gesagt. Faramir konnte es nur Recht sein. Er war ja auch nicht der Geselligste.
Statt ein Gespräch zu beginnen, biss er also herzhaft in den Apfel. Während Faramir kaute, sah er zu Haldir, der in sein eigenes Gepäck griff. Er holte ein Tuch hervor und öffnete es, um mehrere dünne Brotlaibe zu enthüllen. Er nahm einen in die Hand, teilte ihn und reichte Faramir die Hälfte.

„Danke“, sagte dieser und brach ein Stück des hellen Fladens ab. Mit Daumen und Zeigefinger führte er es zum Mund und erlebte eine Überraschung. Er hatte mit dem säuerlichen Aroma von Brot gerechnet. Doch was sich in seinem Mund entfaltete, war ein fast betörender Geschmack, den er nicht richtig zu greifen vermochte. Er war erquickend und zugleich würzig, süßlich und doch herb genug, dass er nicht bitter war. Es schmeckte wie nichts, was er je zuvor probiert hatte und erst Recht nicht wie ein simpler Weizenfladen.

„Was ist das?“, fragte er erstaunt und nahm einen weiteren Bissen. „Es schmeckt wunderbar.“

Haldir lächelte noch immer und Faramir glaubte, ein amüsiertes Glitzern in seinen Augen zu erkennen.

„Lembas“, antwortete er.

Faramir nickte; von dem speziellen Brot der Elben hatte er bereits gehört. Es ging die Mär, dass ein Bissen reichte, um über den Tag zu kommen und man ganze Kompanien mit nur wenigen Fladen versorgen konnte. Und es hieß, dass sie wie der Himmel schmeckten.

„Das Brot der Götter“, murmelte er leise und Haldir sah auf.

„Ihr kennt die Legende?“

Faramir nickte. Er wusste um die Geschichte, dass das Brot einst von den Valar den Elben als Geschenk gegeben worden war, als das Land von einer Hungersnot befallen war. Die Elben teilten das Geschenk mit den Menschen und halfen ihnen in der Not, aber die Rezeptur behielten sie für sich, was in der Dankbarkeit zugleich zu Unmut führte.

„Es ist das erste Mal, dass ich es probiere“, teilte Faramir mit und ergriff den weichen Fladen in seiner Hand etwas fester. „Ich…“, begann er, als er plötzlich niesen musste.

„Verzeiht“, sagte er und zuckte mit den Schultern. „Der Regen…“

Haldir nickte und stand auf. Wortlos lief er zu seiner Kleidung, die neben Faramirs auf den Steinen am Feuer lag und legte seine Hand gegen den Stoff seines Umhangs. Offensichtlich fühlte er, ob dieser bereits getrocknet war. Zufrieden mit dem Ergebnis hob er ihn auf, schüttelte ihn aus und legte ihn sich über den Arm. Dann lief er um das Feuer herum und blieb vor seinem Gefährten stehen.

„Eure Beinkleider sind immer noch nass, Faramir. Es wäre besser, wenn ihr sie ebenfalls zum Trocknen hinlegt. Solange“, und mit diesen Worten hielt er ihm den Mantel entgegen, „könnt ihr den Umhang anziehen.“

Faramir blickte zu Haldir und dann zu dem Umhang, während er erneut mit sich einen Kampf darüber ausfocht, ob er den Vorschlag annehmen sollte. Einerseits hatte Haldir Recht. Es war nicht gerade gesund, in den nassen Hosen herumzusitzen, besonders, da er bereits eine Erkältung aufkommen spürte. Andererseits würde er unter dem Mantel komplett nackt sein. Nur, dafür gab ihm Haldir ja schließlich seinen Umhang. Eine Geste, die er zu schätzen wusste.

Er seufzte und nickte. Dankbar nahm er den Umhang entgegen und legte ihn an. Der Stoff war weich und angenehm auf der nackten Haut. Federleicht ruhte er auf seinen Schultern und spendete sofort eine Wärme, die die des Feuers unterstützte. Er stand auf und ging zu den Steinen. Mit dem Rücken zu dem Elb stehend zog er seine Hosen aus und legte sie zum Trocknen hin. Dann ging er zurück zum Feuer, den Stoff fest um sich geschlungen.

„Danke“, sagte er zum zweiten Mal zu Haldir und setzte sich. „Normalerweise bin ich nicht anfällig für Krankheiten, aber ich befürchte, dass der Regen mir mehr zugesetzt hat, als ich dachte.

„Wie lange wart ihr im Sturm unterwegs?“, fragte Haldir interessiert zurück.

„Eigentlich nicht lange“, antwortet Faramir, „ vielleicht eine Stunde bis ich die Höhle erreichte.“

„Ihr kommt aus Gondor, sagtet ihr;“, fuhr er fort, „da seid ihr weit von eurer Heimat entfernt.“

Faramir schmunzelte. „Ich bin ein Waldläufer“, entgegnete er als Erklärung und der Elb nickte. Er wusste um die Krieger Gondors, die das Grenzland Ithilien bewachten und es von Saurons Handlangern befreiten.

„Wieso seid ihr allein?“, fragte er weiter und ein Schatten verdunkelte augenblicklich die Züge des jungen Mannes.

„Ich war auf dem Weg zum nächsten Stützpunkt“, erwiderte er düster. „Orks haben vor drei Nächten unser Lager überfallen und es war Glück, dass ich und ein Teil meiner Männer entkommen konnten. Auf der Jagd durch den Wald verloren wir uns jedoch, so dass ich mich allein auf den Weg zum nächsten Lager gemacht habe.“

Haldir nickte gedankenverloren und legte Holz nach. „Es tut mir leid.“

Faramir antwortete nicht, sondern starrte stumm in die hellen Flammen, die gierig an den frischen Ästen leckten.

„Woher kommt ihr?“, fragte er nach einer Weile, das vorherige Gespräch scheinbar vergessen.

„Aus Lórien“, antwortete Haldir.

Faramir rieb den weichen Stoff des Mantels zwischen den Fingern.

„Es soll ein Ort voller Schönheit sein.“

„Es ist ein Platz, den ich Glück habe, meine Heimat zu nennen“, bestätigte der Elb.

„Ich würde ihn gerne eines Tages sehen“, erwiderte Faramir nachdenklich. „Die Mallorn-Bäume, die wie flüssiges Gold in der Sonne glänzen sollen und die Bibliothek. Ein Ort, an dem ich sicher Monate verbringen könnte.“

Haldir lachte. „Die Bibliothek? Es kommt selten vor, dass jemand als erstes die Bibliothek erwähnt.“

Faramir lachte ebenfalls. „Es ist der Platz, der für mich überall Heimat ist.“

Der Elb fuhr sich durch die blonden Strähnen. „Ein Krieger und ein Gelehrter. Das trifft man nicht oft.“

Faramir grinste. „Und doch bin ich nichts Besonderes“, entgegnete er.

Hadir antwortet nicht darauf, sondern schaute hinüber zu der Kleidung.

Faramir folgte seinem Blick und stand zögernd auf. Seitdem er sie dorthin gelegt hatte, war einige Zeit vergangen und mit etwas Glück waren zumindest seine Hosen so trocken, dass er sie wieder anziehen konnte. Während er den Stoff abfühlte, spürte er Haldirs Blick in seinem Rücken und die Erregung, die er bisher erfolgreich verdrängt hatte, wallte wieder in ihm auf. Es war nicht das erste Mal, dass Faramir einen Mann anziehend fand, aber es war das erste Mal, dass es ein Elb war.

Er seufzte, gewillt seine Gefühle zu unterdrücken. Er war in einer Höhle halbnackt mit einem Elben, den er noch nie vorher gesehen hatte. Wieso nur hatte er dann das Gefühl, als würde er ihn schon sein Leben lang kennen? Es war eine Vertrautheit zwischen ihnen, die durch die Worte ihres Gesprächs zu spüren gewesen waren. Sie konnten zusammen schweigen und es fühlte sich weder unangenehm noch peinlich an.

Den Blick nach unten, richtete er sich auf und ging zurück zu seinem Platz. Als er sich setzte, sah er auf und begegnete Haldirs Augen, die ihm gefolgt waren. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er Lust darin. Aber sie war ebenso schnell verschwunden wie sie gekommen war. Er war ein Narr, so müde und erschöpft, dass er sich Dinge einbildete und seine Wünsche auf andere übertrug. Er gähnte müde.

„Vielleicht wäre es besser, wenn wir schlafen“, sagte Haldir amüsiert.

Faramir schüttelte den Kopf. „Erzählt mir mehr von Lórien“, forderte er ihn stattdessen auf. Er fühlte sich wohl in Haldirs Gesellschaft und er war entschlossen, keine Minute davon zu vergeuden.

Und so erzählte Haldir von Lórien. Von den Wundern des Waldes und der Schönheit der Natur. Er erzählte von seinem Lord und seiner Lady, von seiner Aufgabe als Grenzwächter und seiner Familie. Er erzählte von seinen Brüdern und einem Leben in Harmonie.
Farmair lauschte fasziniert und konnte alles vor sich sehen. Sie sprachen über ihre Leben, die so unterschiedlich waren und doch so gleich. Beide waren sie Wächter, die ihren Herren dienten und doch trennten sie Welten. Faramir – Produkt steinerner Mauern und weiß blitzenden Steins, Haldir – Kind der Natur, die er ebenso in sich trug wie die Natur die Elben in sich. Doch was sie wirklich trennte, war Zeit. Tausende von Jahren, die Haldir gelebt, in denen er Erfahrungen gesammelt, Dinge gesehen und getan hatte, die Faramir nur aus vergilbten Schriftrollen kannte. Ein Leben in Unsterblichkeit, das Wunder und Bürde zugleich war.
Sie redeten, öffneten sich einander und kamen sich auf einer Art und Weise näher, mit der beide nicht gerechnet hatten. Am Ende der Nacht war das Gefühl von Vertrautheit noch stärker als zuvor. Es kam Faramir fast so vor, als seien sie sich schon einmal begegnet, als hätte sie nicht nur der Zufall diese Nacht zusammengeführt.

Zum hundertsten Mal schaute er zu Haldir und ungebetene Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Wie es wäre, den Mund zu küssen, dem er die ganze Nacht fasziniert gelauscht hatte. Wie es wäre, seine Hand in seinem Haar zu vergraben und Haut auf Haut zu spüren. Für einen Augenblick war er gefangen in diesen Bildern, als er den Elb anstarrte.

Haldir räusperte sich und Faramir erwachte aus seiner Trance.

„Vielleicht ist es jetzt wirklich Zeit, dass wir schlafen. Ein paar Stunden bleiben noch bis die Sonne aufgeht.“

„Ich hätte dich nicht so lange wach halten sollen. Entschuldige.“

„Ich ziehe ein gutes Gespräch Schlaf jederzeit vor", antwortet der Elb und lächelte.

Faramir lächelte zurück. „Da bin ich froh, dass ich nicht allein so verrückt bin.“

Haldir stand auf und ging zu ihm. „Du bist alles andere als verrückt, Faramir“, sagte er und zog ihn auf die Beine.

Sie standen sich gegenüber, viel zu dicht, als dass Faramir verheimlichen konnte, was er fühlte. Der Atem stockte ihm, als Haldir ihn musterte. Es war, als suchte er etwas in seinem Blick. Dann lächelte er erneut und das erste Mal in dieser Nacht fielen Faramir die Grübchen auf, die sich um Haldirs Augenwinkel bildeten, wenn er dies tat.

„Haldir“, begann er, doch kam nicht weit. Der Kuss stoppte seinen Redefluss und überraschte ihn zugleich. Haldirs Lippen drückten sich gegen seine und Faramirs Herz schlug schneller.

Unaufgefordert öffnete er die Lippen und spürte sogleich die Berührung von Haldirs Zunge an seiner. Schnell verwandelte sich der Kuss von einem vorsichtigen Tasten zu einem leidenschaftlichen Duell.

Haldirs Hand legte sich auf Faramirs Hinterkopf und zog ihn näher an sich, während die andere unter den Mantel glitt und sich gegen seine Brust legte. Es war der Anfang von etwas Großen am Ende einer langen Nacht.

Sie liebten sich im Morgengrauen, während die Sonne aufging, langsam und zärtlich, nicht zwei Fremde, die sich erforschten, sondern Vertraute, die bekannte Pfade betraten. Sie liebten sich sinnlich und mit der Gewissheit, dass es das Richtige war. Es schien, als hätten in dieser Nacht zwei Teile zueinander gefunden, die zusammen ein Ganzes bildeten, ohne dass sie geahnt hatten, dass ihnen etwas fehlte.
Sie liebten einander mit der Verzweiflung derer, die wussten, dass sie sich trennen müssen und der Langsamkeit derer, die festhalten wollen an dem, was sie haben. Sie liebten sich bis es hell wurde und die Vögel zu zwitschern begannen. Dann schliefen sie ein. Erschöpft und glücklich in den Armen des anderen.

Als Faramir erwachte war er allein. Das Feuer war erloschen und Haldir war nirgends zu sehen. Verwirrt blinzelte er ins Halbdunkel, bevor seine Augen sich daran gewöhnt hatten. Dann sah er, dass nicht nur Haldir fort war, sondern auch seine Sachen. Er musste gegangen sein, während er noch geschlafen hatte.

Faramir setzte sich auf. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Er war enttäuscht und zugleich schalt er sich einen Narr. Haldir war nichts weiter als ein Fremder gewesen, ein zufälliger Gefährte, der ihm durch die Wirren des Sturms aufgezwungen worden war. Er seufzte und stand auf. Tief in seinem Innern wusste er, dass er sich etwas vorlog, dass es in dieser Nacht nicht nur um eine zufällige Bekanntschaft und unverfänglichen Sex gegangen war. Es klang ungewöhnlich, aber in den wenigen Stunden, die sie zusammen verbracht hatten, war Faramir bewusst geworden, dass es mehr gewesen war.

Er ging zu den Steinen, auf denen er am Abend zuvor seine Kleider zum Trocknen hingelegt hatte. Doch statt steif und rau ausgebreitet, lagen sie fein säuberlich zusammengefaltete vor ihm. Neben seinem Hemd, seiner Hose und seiner Tunika lagen zwei Scheiben weicher Lembas, die für seinen Weg bis zum nächsten Lager mehr als ausreichend waren.

Er stockte, als sein Blick auf den Umhang fiel, denn dort lag nicht sein eigenes Gewand, sondern der graugrüne Umhang Haldirs, den Faramir letzte Nacht getragen hatte. Er war ebenfalls fein säuberlich gefaltet. Zärtlich strich er mit der Hand über den weichen Stoff und lächelte. Es war Haldirs letzter Gruß an ihn, ein Geschenk, das ihm sagte, was er bereits wusste und dessen er sich mit einem Mal so sicher war, wie nie zuvor in seinem Leben.
Diese Nacht mochte ein Zufall gewesen sein und sie würden sich wahrscheinlich niemals wieder sehen, aber sie hatten etwas aus ihrer Begegnung gemacht: Für sie war es Liebe gewesen.




*„Mae govannen“: "Seid gegrüßt" (in der Elbensprache Sindarin)


 
 
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